Aus der Jugendzeit

Die untigen  Sachen sind nun über 40 Jahre alt!





Der Ma(h)ler

Ein Müller, nach dem Abendmahl,
der mahlte um die Wett'
mit einem Maler, Schmales schmal,
der Maler ein Duett.

Der Müller hielt nicht viel davon
von schmaler Malerei -
und auch dem Maler wurde schon
das Malen Einerlei.

Drum sprach zum Müll der Malersmann: 
"Komm' Müller, tauschen wir.
Statt mahlen, male mal, sodann
mahl' ich dein Schmales dir. 

Der Müller lobte diese Wahl,
denn er fand Malen tütt.
Nun mahlt der Maler Schmales schmal,
der Müller malt ein Dütt.

Bald ward's dem Müller wärmelich
beim malen ohne H.
"Mal' Du. Mir geht's erbärmelich."
Der Maler sagte "Ja". 

Nun mahlte er mal Schmales schmal,
mal malte er einmal,
doch wollte er mal malen mal
dann mahlte er zu schmal.

Mahnmalig mahlte der Maler,
dann ging sein Hirn verschütt.
Erst malte der Maler schmaler,
dann mahlte er sein Dütt.




Der Hund

Der Hund steht gähnend auf drei Beinen das Vierte kratzt mit Wut
und mit Erfolg, so will's mir scheinen
den Bauch, den das tut gut.

Er senkt das Bein, er gähnt, besinnt sich
bejault den Floh im Chor,
er hebt das Bein und sehr empfindlich
kratzt er sich hinterm Ohr.
Er senkt das Bein, er gähnt und plötzlich
- ich weiß es klingt absurd -
kratzt er sich ausführ- und ergötzlich
die braune Hundefurt

Wie dieser Hund, genußvoll sündlich
mit seinem Hinterlauf,
den braunen Hintern beinah' stündlich
gekratzt hat, fiel mir auf.



Der Kanal

Ein stilles Dorf, vom Wasserspiegel
ein Einiges zu weit entfernt.
Ein Rathaus, dessen Dach von Ziegel,
ein Schulgebäude wo man lernt;
und rings umher im trautem Kreise,
da hat man sinnvoll konstruiert
in alter, hergebrachter Weise
zwei Dutzend Häuser - numeriert.

In diesem Ort, romantisch stille,
da geh' ich manches Manchemal
aus einer unbekannten Grille
zu jenem schweigenden Kanal,
der duldsam und zu jeder Stunde,
die lauen Wasser flohbehüpft,
aus einem rätselhaften Grunde
den Dorfplatz mit dem See verknüpft.
Hier sitz' ich oft im Herbst und rahme
in seine dunkelgraue Flut,
das Bildnis jener holden Dame,
die schnell wie er versumpfen tut.
Im Frühling, wenn die Sonne häufig,
hat Mancher hier 'ne schöne Zeit
Des Sonntags ist's oft gegenläufig:
der Pfarrer flucht der Sinnlichkeit.

Im Sommer, wenn die Kirschen blühen
in ihrer himmlisch blauen Pracht,
wenn Forscher sich herbeibemühen,
und sinnen wie die Kirsch' das macht,
wenn Alle nach Italjen fahren
und Opa mal Chianti trinkt,
gleicht der Kanal den ob'gen Scharen:
Er sonnt sich, er wird braun und stinkt.




Zypernprobleme

Grinsend zeigt der Türke der
  Wache Hellas' den Vogel.

Stauned erblickt's der Soldat
  der Vereinten Nationen


(Nicosia, Oktober 1967)



Touristik 67

Ich lag in Pyramidenräumen
in Nassers Morgenland.
Dort wollte bleiben ich und träumen
vom heissen Wüstensand.

Ich blieb genau drei volle Tage
auf dem Studjenposten,
dann trieb mich fort die achte Plage:
Krieg im Nahen Osten.

Ich floh nach Zypern, wollte bleiben,
hier tat mir niemand weh,
man kann sich schön die Zeit vertreiben
mit Trick-Track und Kaffee.
Doch nach acht Wochen sanfter Brisen
machte mir so eine
der sogenannten Zypernkrisen
wieder lang die Beine.

Was bleibt mir noch? Ich bin gekommen
als harmlose Gestalt
hab' mir das Beste vorgenommen
und fand doch nur Gewalt.


(Nicosia, November 1967
)



Feuerzangen Gedanken 

Rotheißer Wein, mit Rum vermischt
hat schon von jeher aufgefrischt.
Er schnenkt uns Kraft, gibt Seelenruh
darum o Mensch, drückt dich ein Schuh
und kannst du hier auf dieser Erden,
zum Beispiel nicht recht glücklich werden,
weil um dich rum und überall
Mitmenschen sind kein Ausnahmsfall,
die dich nicht lieben, sondern stören
und nie auf deinen Ratschlag hören.

Wenn dir die hohe Politik
Migräne zeuget im Genick,
wenn dir das Vietnam - Ami - Chaos
so wurscht ist wie zum Beispiel Laos,
wenn dir der Autos Gasgestank,
wenn dir dein Familienzank,
kurz - wenn dir Alles und noch mehr
zum Halse raushängt doppelschwehr,
dann lass' das Stammtischmeckern sein
und ruh dich aus mit Rum und Wein.

Du gießt das Zeug dir in die Kehle
und durch die Kehle in die Seele.
Die Wärme zieht in deinen Magen,
es öffnet sich der Knopf am Kragen
und du entspannst, bist froh und frei
und alle Menschen, einerlei
of sie nun Juden oder Christen,
ob Demokraten, Kommunisten,
sie alle können dich mal froh
wie eh'mals Götz von Sowieso
wenn du der Welt bei Rum und Wein
vergnügt vergibst daß sie gemein.



(Ulm, Oktober 1963
)


Pusch 2

Es war in einer Seemannsbar
und Jimmy, der ein Seemann war,
der saß mit Jim, der ebenfalls
ein Seemann war bis rauf zum Hals,
in einer Ecke, steuerbord
der Einstiegsluke zum Abort.

Sie tranken fröhlichst einen Punsch,
den man gebracht auf JimmysWunsch.
sie rauchten, fluchten, kauten auch
wie es seit Noah Seemannsbrauch
und waren bald und hoch entzückt
und sprechend dieser Welt entrückt.

Man sprach von Sport, von Religion,
vom Seemannslos, vom kargen Lohn,
von Schiller und von Steuerkrisen,
von hoher See und sanften Brisen,
von Frauen die man mal geliebt:
kurzum - von allem was es gibt.

Und als ihr Geld vertrunken war
da hatten sie, besoffen, klar,
die Problematik dieser Welt
bemerkt, begriffen, festgestellt


(Nicosia, November 1967
)



An Harald B.

Zwei Menschen schrieben auf Papier:
"Wie, lieber Mitmensch, geht es Dir?"
und gruben dann und feilten stumm
an dem Gedankengut herum,
das ihrem Hirn in stetem Fluß
entströmte und entströmen muß.

Sie tauschten so jahrein jahraus
bedeutende Gedanken aus
und beide trachteten danach
zu ändern, was der And're sprach.
Es schrieben sie manch' schönen Brief,
intelligent und geistig tief
und gaben manchen guten Rat,
wann wie und was man tut und tat.
Geändert hat sich nichts - und doch
die beiden schreiben immer noch.


Nicosia, März 1968
)



Die bewältigte Vergangenheit

Er kam zur Welt nach vierzig Wochen,
die Eltern waren reich
und wenn er einmal was verbrochen
erbleichte er sogleich.

Er war der Liebling seiner Lehrer
und schrieb nie eine Vier.
Stets hatten es die Ander'n schwerer,
er war ein Mustertier. 

Auch später blieb er erste Klasse,
das Glück stand stets parat.
Beim Hitler war er Herrenrasse,
beim Ami Demokrat.

Ein Raucher ist er nie gewesen,
nahm eine blonde Frau,
tat nie des Nachts im Bette lesen
und war auch sonst genau.

Er hatte, als er starb nach Jahren,
noch volles weißes Haar.
Und niemand hat es je erfahren
was wo und wie er war.



Der Tanz

Seht ihr mich tanzen am Sternenzelt?
Lachend und singend,
tanzend und springend,
torkelnd und trunken
göttlich gesunken,
dreh ich mich -  oder dreht sich die Welt?

Geister in nasser  Schattengestalt
lauern und schleichen
näher. Sie weichen.
Biegen sich nieder,
wimmern die Glieder:
"Tanzt Geister, tanzt." Doch die bleiben kalt.


Seht ihr nicht Feuer - brennendes Licht?
Blutrot blühendes,
glutlos glühendes,
niemals endendes
geisterblendendes
Licht? Seh'n sie es? Ha, ich seh es nicht.

Die letzten Schritte, malerisch wild . . .
Brausend un brummend,
sausend und summend,
krächzend und zitternd
ächzend und zitternd,
tanzt nun mein Kopf, allein - welch ein Bild!
(Nicosia, März 1968)



Traum am Meer

Seht Ich saß am Meer
es sprach und rief.
Das Meer ost tief
und tiefe Furcht drang in mein Herz.
Ich sah ein Heer,
verwelkt und bleich.
Das Meer ist reich,
das Meer ist reich and Tod und Schmerz.

Ich springe auf,
mich zieht das Meer
zum Totenheer,
das weined tanzt an seinem Rand.
In schnellem Lauf ereich' ich's fast -
das Bild verblasst
und weinend liege ich im Sand.


Es war ein Traum,
ich bin erwacht.
Das Meer - es lacht
und lachend laufe ich zum Strand.
Des Meeres Schaum
so geisterbleich
im Schattenreich
spielt freundlich nun mit meiner Hand.


(Ballycastle, Januar 1966)

Zwei Tudors