Der Fremdenführer

Vor Jahren vergnügten Meg und ich uns damit, alte Hünengräber und Dolmen in der Gegend heimzusuchen. Wir hatten uns eine Riesenkarte besorgt, alle die alten Gräber sorgfältig darin angekreuzt, packten ein Picknick ins Auto und verbrachten dann den Rest des Tages mit Geschichtsentdeckungen - ein sehr vergnügliches Unternehmen.

Eines schönen Tages befanden wir uns auf halber Höhe eines Berges an einer Kreuzung, und wir wussten nicht genau, wie und wo es weitergehen sollte. Wir stiegen aus dem Auto, um uns die Gegend anzusehen, als sich plötzlich ein kleiner wedelnder Bordercollie zu uns gesellte - der freundlichste Collie dem ich je begegnet bin. Wir begrüssten unseren neuen Freund feierlichst und verbrachten die nächsten fünf Minuten damit 'Guten Tag' zu sagen. Er war schneeweiß mit nur zwei oder drei kleinen, schwarzen Flecken.

Nach langer Beratung beschlossen wir  rechts abzubiegen, sahen dann auch einen kleinen, überwucherten Wegweiser, der in die gleiche Richtung deutete und wagemutigen Reisenden miteilte, dass es hier entlang zum Dolmen ging. Solche Wegweiser sind in Ulster ganz selten - was natürlich unsere Erwartungen haushoch trieb. Unser neuer weißer Freund war inzwischen verschwunden.  Wir öffneten ein knorriges Gatter und fuhren hindurch. Wir befanden uns auf einem so engen Feldweg, dass das Gebüsch links und rechts hunderte Pfund vom Wiederverkaufspreis unseres Autos kratzten- und das schon während der ersten fünf Minuten! Die Reise endete im Hof einer kleinen verlassenen Farm - in Ulsters gibt es viele solch kleiner verlassenen Gehöfte.

Es war dort ziemlich düster, denn der Ort lag im Schatten alter Bäume. Das alte Farmgebäude diente jetzt als Schuppen und drei oder vier Gatter führten in verschiedene Richtungen - in deren jeder sich natürlich unser Dolmen verstecken konnte. Die Acker sahen schlammig aus und wir wollten da nicht unbedingt durchstolzieren, nur um herauszufinden, dass wir die falsche Richtung genommen hatten.


Wir beratschlagten unsere Lage für ein paar Sekunden und hatten uns mehr oder weniger entschieden nach rechts zu gehen, als plötzlich unser neuer Bordercollie Freund wieder auftauchte und mehrer Male - hin und zurück - unter ein eisernes Gatter rannte.


"Der Hund weiß wohin wir wollen" sagte ich nach einer plötzlichen - und schmerzhaften - Gedankenarbeit. "Es müssen hier schon andere gewesen sein, die sich die gleichen Felsbrocken angesehen haben".

Wir folgten unserem treuen Freund noch einige hundert Yard, kletterten über weitere Gatter und - Wunder über Wunder - da war der Dolmen, bewacht von einem sehr selbstzufrieden aussehenden Bordercollie.

A white collie
 
 

Hundsgeschichten

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Die Rache ist süß

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