Hier pflügt man schnuhrgerade


One man and his tractor outside Limavady Des anderen Tages sah ich mir die "Nordirische vintage Pflug Meisterschaft" an, die auf einem großen Feld außerhalb der Stadt gehalten wurde. Es war eine populäre Veranstaltung und die engen Landstraßen, die dahin führten, waren so von  schmutzigen Geländewagen, die man an beiden Seiten der Strasse geparkt hatte, vollgepfropft, dass man fast nicht durchkommen konnte. Scharen von meist menschlichen Lebewesen näherten sich aus allen Richtungen - man konnte sehen, dass das Pflügen hier ernst genommen wird.

Ich bin noch nie zuvor bei so einer Veranstaltung gewesen und hatte keine Ahnung was da zu erwarten war. In meiner Phantasie sah ich wetterharte Männer auf Pferden und/oder Traktoren, die wie besessen über die Scholle jagten, um ein für allemal festzustellen, wer die längste Furche in der kürzesten Zeit wenden könnte.

Die Tollkühnsten von Ihnen würden ihre Peitschen benützen, um die Konkurrenten aufzuhalten - wie man es im Film 'Ben Hur' sehen kann - und dann würden sie ineinander fahren -  mit kreischenden Pflügen, wild gewordenen Pferden, die über schnaufende Traktoren springen und die ganze wilde  Meute rollt dann fluchend den Berg hinab. Anders gesagt: Ein atemberaubendes Schauspiel:  Zeugnis der Kraft und des Heldentums der bodennahen Söhne Ulsters, ihrer widerwilligen Pferde und gut geölten Maschinen.

Es stellte sich dann allerdings heraus, dass in den drei Stunden, die die Spielregeln erlaubten, jeder Teilnehmer nur ungefähr so viel Scholle umwälzte, wie mein Großonkel Gustav es in zehn Minuten getan hätte - und das während er die Pferde schonte und seine störrische Pfeife nach jeder anderen Furche wieder in Flammen setzte. Aber ich blicke vergangenhafterweise in die Zukunft.

Ich musste drei Pfund bezahlen, um das Auto hoch oben auf einem Feld zu parken und wunderte mich, warum so viele Leute an der Strasse geparkt hatten - wussten die etwas, das ich nicht wusste? Die Aussicht war herrlich: die schlängelnde Roe, der weit entfernte Lough Foyle und der edle Berg Benevenagh - wunderbar. Sehr wenige der Anwesenden betrachteten allerdings die Aussicht, doch einige hundert übten sich in dem ganz besonderen Gang, der erfahrenen Beobachtern sagt: "Ich schreite alle Tage über Felder, die noch viel urhafter sind als dieses!". Sie stampften durch Felder, die in kleine Stücke geteilt waren; jedes von ihnen von einer Größe die meinen berühmten Verwandten nur zehn Minuten amüsiert hätte.

Aus der Entfernung sah das Gelände wie ein Versammlungsort eines Landesvermessungsvereins aus; dutzende kleine Pfähle hatte man sorgfältig  rechteckig gemustert in den Boden gehämmert. Mir wurde plötzlich klar, dass das Pflügen eine genauere Kunst ist, als ich angenommen hatte und dass jedem Teilnehmer eines dieser kleine Vierecke ungepflügten Ulster Bodens  anvertraut worden war. Erwartungsvoll erwartete ich den Anfang des Gemetzels.

Two horses and two men

Es begann - aber das merkte ich nur, nachdem mehrere Minuten vergangen waren. Ein jeder beschäftigte sich damit, nur eine einzige Furche zu ziehen, welche augenscheinlich so gerade wie möglich und außerdem noch von einer genau vorgeschriebenen Tiefe sein musste - die Toleranz war die Dicke eines Schnurrbarthaares. Diese Art von Präzision ist Pflug und Mann nicht angeboren - weswegen ein unglaubliches Vermessen und wieder vermessen, Zielen und Justieren und abermals zielen notwendig war, nur um das Gerät zum Start  vorzubereiten. Nachdem all dies geschehen war, konnte der Wettlauf endlich anfangen - doch alles braucht leider so seine Zeit. Die Prozedur war kompliziert. Die Pflüge, die von  Gäulen gezogen wurden, brauchten zum Beispiel einen Mann ganz vorne, der die Pferde, die vorwärts zogen, leitete - während er selbst rückwärts stolperte. Die Pferde zogen den Pflug so langsam wie nur irgendwie möglich und die ganze Gelegenheit benötigte soviel Sorgfalt und Konzentration, wie man sie sonst nur in einem Operationssaal sieht. Alle paar Schritte lang hielt der Erdchirurg an, ununtersuchte die Furche, murmelte in seinen Bart oder zu Pferd oder Kamerad, fummelte an der Pflugschar herum und überredete schließlich die Tiere dann noch mal einige Schritte vorwärts zu gehen.

Während ich all dies mit großem Erstaunen beobachtete, wurde mir klar, warum sie so langsam waren. Sollte der Vordermann stolpern - was leicht geschehen kann, wenn man rückwärts über einen wilden Acker läuft, während man zwei irritierte Pferde beim Halse führt - würden die großen Gäule ganz einfach über einen wegspazieren - eines mit den linken Hufen und das andere mit den rechten Hufen, kurze Zeit später gefolgt von einem ungewöhnlich scharfen Pflug und  beiden Füssen des fluchenden Pflügenden, der so genau auf seine Pferde achteten muss, dass er gar nicht merkt auf was - oder wen - er tritt. Abgesehen davon, dass das Resultat eines solchen Vorfalls nicht sehr schön aussieht, würde es natürlich die schnurgerade Linie krümmen und die Chancen die diesjährige Meisterschaft zu gewinnen, total ruinieren.

Eine gerade Furche

War dann die Furche einmal gepflügt - und glauben sie mir, kein Mann den ein Weib gebar, hat jemals sowas Gerades gesehen - mussten die Pferde um 180 Grad gesteuert werden, der Pflug wurde in seine neue Positur gemuskelt und neu justiert, man zielte  auf das Genaueste, hielt eine Konferenz mit viel Schreierei und Gestikulation und dann konnte man endlich versuchen, eine neue Furche - gleich entfernt von der Vorherigen, zu ziehen.

Ich bin mir ganz sicher, dass dieses Vorgehen ein atemberaubendes Schauspiel für Kenner ist, obwohl man zugeben muss, dass die Pferde zu Tode gelangweilt aussahen. Wenn die Aussicht nicht so schön gewesen wäre, hätte ich es nicht so lang, wie ich es tat,  ausgehalten, denn neunzig Minuten später - von Verzweiflung getrieben - ging ich nach Hause - die Geschichte - anders als die Meine hier - war noch lange nicht vorüber.

Eine Weltmeisterschaft im Pflügen ist offensichtlich nichts für Leute mit schwachen Herzen und ich gewann die Überzeugung, dass es viel interessanter ist, es zu tun, als es zu beobachten. Andere waren offensichtlich der gleichen Meinung, denn Viele standen plaudernd herum oder tranken ein Tässchen  Tee in einem von zwei verwitterten grauen Zelten, von denen aus man eine wunderbare Aussicht auf die Hinterteile der Pferde, die augenblicklich nicht wettbewerbten, hatte.

Der Name des neuen Meisters ist mir unbekannt, doch ich wünsche ihm alles Gute und hoffentlich sehen wir uns nächstes Jahr wieder, wenn ich versuchen werde meiner Ungeduld Herr zu werden und mit einem Picknick kommen werde. Man sagt, dass die Weltmeisterschaft dieses seltsamen Sportes nächstes Jahr im drei Kilometer entfernten Ballykelly stattfinden wird und es wird sogar gemurmelt, dass Ben Hur dabei sein wird!

Ich werde das auch tun - man kann ja nie wissen.



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Two Tudors

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