Eine Autobummel durch
die Gegend

 oder auch

Wie mag es Flossie wohl gehen?

1. Teil: Wir fahren zum Benevenagh

    
2. Teil: Immer abwärts nach Downhill
3. Teil: Eine Fahrt zum Point
4. Teil: Über den Teich zum Deich
5. Teil: Wie mag es Flossie wohl gehen?
The Roe Mouth at sunset


 
Main Street in Limavady  
Main Street, Limavady
Unsere abenteuerliche Reise beginnt hier auf der Hauptstraße von Limavady.  Wir zwängen uns in den reichlichen Verkehr, der diese Verkehrsader mit Recht  gefürchtet macht, quetschen uns an ein paar Fußgängern vorbei, die nonchalant durch das Gewimmel joggen, ringeln uns durch eine farbenfreudige Musikparade, die sich durch das Gewühl schlängelt und winken zwei verblüfften Polizisten zu, die sich all dies vom Inneren ihrer Limousine aus ansehen. Wir tun so, als ob wir sie nicht gesehen hätten und fahren weiter.Limavadys beunruhigende Verkehrsregeln habe ich anderswo beschrieben.

Bald fahren wir am ehemaligen Postamt vorbei und biegen links in die Killane Road ab. Von hier an müssen wir langsam fahren, denn es gibt viele verborgene Eingänge, die oft von grinsende Polizisten bevölkert werden.

 

Eine nagelneue Brücke führt uns über den ebenso neuen Bypass und zum ersten Mal erblicken wir die von Ginster vergoldeten Hänge des stolzen Berges Benevenagh - das erste Etappenziel unserer abenteuerlichen Berg-und-Tal-Fahrt.

Rechts liegt das schöne townland Fruithill. Drenagh, das alte Gutshaus dominiert eine baumbestandene, gepflegte Landschaft.

Da man Drenagh von hier aus nicht sehen kann, habe ich ein Bild beigefügt. Es ist eine schöne Ansammlung geschichtsträchtiger Steine, nicht wahr? Ein anderer schon lange ruinierter Schatz liegt auf der anderen Seite des Gutes. Die alte Kirche von Drumachose wird aber anderswo in diesen üppigen Seiten behandelt.

Drenagh  
Drenagh
 

Das Gutshaus wird von einer Broughan Mauer umgeben. Broughan heißt Haferbrei und der Name bezieht sich auf die Tatsache, dass arme Leute während Hungersnöten alles Mögliche für die Reichen bauten - für wenig Geld und etwas Broughan. Diese altertümliche Sitte ist glücklicherweise eines willkommenen Todes gestorben.

Die hohe Mauer ist sehr gefährlich, denn sie steht direkt neben der Straße und entgegenkommende Fahrer versuchen immer nicht zu nahe an sie heranzufahren - welches natürlich die ihnen entgegenkommenden Fahrer in Todesängste versetzt. Glücklicherweise treffen wir fast nur einen einzigen Lastwagen und kommen mit ein paar Kratzern davon.

 

Die kleine Brücke  
Artikelly Bridge
Plötzlich finden wir uns auf einer frisch bepinselten Buckelbrücke wieder - lieblich anzusehen aber höllisch zu befahren. Sie überspannt den Fluss Curly, der sich bis hierher vom fernen Berg Keady geschlängelt hat.

Das Flussbett der Curly ist mit Felsen bestreut und deshalb sieht das Wasser 'curly' (lockig) aus, daher der Name. Sie werden schon bald merken, dass die Leute, die in dieser Gegend leben, wirklich verstehen, was man mit Buchstaben so alles machen kann. Die Curly fließt nur wenige hundert Meter links von hier in die Roe - aber wir haben keine Zeit, uns mit der verstrickten Geschichte dieses seltsamen Namens zu beschäftigen.

 
Wir schaffen es, mit nur ein paar Kratzern durch diese hohle Gasse zu kommen und nähern uns dem nächsten Hindernis mit großer Zuversicht: Das 'Windyhill Rabout'. Es scheint, dass ein 'Rabout' ein Verkehrskreisel ist, der schlecht und schräg an einem Hang entlang gebaut wurde, so dass niemand andere Fahrzeuge bemerkt, bis es zu spät ist.

Dies ist natürlich auch der Grund, dass wir den riesigen Heuhaufen, den ein freundlicher Bauer hier sorgfältig in die Mitte der Straße gekippt hat, erst bemerken, als wir in ihn mit einem sanften englisch klingenden 'Smäck' hineinjagen.

Nicht viel ist passiert - wenn dies das Schlimmste ist, das uns auf dieser Fahrt geschieht, wird heute unser Glückstag sein!

 

Rabout ahead
DasRrabout  
Das Windyhill Rabout

 
Der Rückwärtsgang befreit uns vom überraschten Gras und wir fahren sorgfältig um das Protoheu herum und biegen in die Windyhill Road ab. Diese schöne Landstraße hieß einmal 'Mörderloch Straße'. Der Name verewigte die anti-sozialen Lebensgewohnheiten eines berühmten Verbrechers namens Cushy Glen, der diese Gegend in vergangenen Zeiten verunsicherte  und seine Opfer weiter oben in einem Loch neben der Straße verscharrte.

Cushy Glen ist heutzutage so tot wie seine Opfer, doch die Beamten, die solche Dinge beamtlich zu entscheiden haben, beschlossen dass Mörderloch Straße nicht unbedingt eine erstklassige Adresse für moderne Bürger ist. So wurde die arme Straße also umbenannt, und weil es hier immer so windig ist . . . . .. . . . . . . . . !?

(Einige der Hiesigen haben halt keine Ahnung, was man mit Wörtern so alles machen kann).

Es macht Meg und mir nichts aus, ab und zu mal ein mörderisches Loch neben oder sogar in der Straße zu finden, aber windige Hügel lieben wir nicht, darum biegen wir links in die Aghanloo Road ab.

Aghanloo ist ein alt-irisches Wort und bedeutet 'Das kleine Ford von Lewy' und um die Touristen zu verwirren, wird es 'Annalu' ausgesprochen. Wie sie vielleicht schon bemerkt haben: Hier weiß man wozu Wörter taugen. Die Hiesigen nennen die Aghanloo Road 'Die lange Landstraße' - welcher Name von einer großen Beobachtungsfähigkeit zeugt. Gerade überholt uns ein amerikanisches Auto, das mit dem Namen 'Aghanloo' überpinselt ist. Wir sind uns sicher, dass der Fahrer Louis heißt.

 
Zur Linken bemerken wir die Überreste des ehemaligen Kriegsflugplatzes, welcher anderswo beschrieben wird. Ein friedliches Pferd grast zwischen den militärischen Ruinen und wir sehen auch einige blutrünstige Schafe. Wir folgen Lewis, bis er links in ein Industriegebiet abbiegt. Auf der rechten Seite sieht man ein Überbleibsel der ehemaligen Landebahn und auf ihr ein Gedrängel von eingezäunten Schafen, ein paar Dutzend robust aussehenden Fahrzeugen und eine Schar von noch viel robuster aussehenden Männern - nebst einem gelangweilten Fotografen.

Es ist die Aghanloo Show!

Wenn Sie ein Schaf kaufen wollen oder wenn Sie in der Tat jemanden beim Schafe kaufen zuschauen wollen, selbst wenn Sie jemanden beobachten wollen, der jemanden, der gerade ein Schaf gekauft hat, fotografiert: hier sind sie am rechten Platz.

Die Aghanloo Show  
Die Aghanloo Show

 
Schafzüchter  
"Meine Güte: Das nenne ich ein Schaf!"
Wir verweilen, um uns das Schachern anzuhören. Die Gehege beherbergen mehr oder weniger seltsam aussehende Tiere, die alle eine nagelneue Frisur erstanden haben, so dass sie so gut wie möglich aussehen. Es scheint, als ob die Richter immer wieder auf diesen alten Trick hereinfallen.

Es geht hier auch recht sportlich zu, denn während sich die Richterin durch die Schafe drängelt, um zu entscheiden, wer von ihnen das Schönste im ganzen Lande ist, tun die Tiere ihr Möglichstes, dieser gefährlich aussehenden Gestalt aus dem Weg zu gehen. Das zwingt die Besitzer der wolligen Schar, wie Idioten hin und her zu rennen, um die Flüchtlinge zu fangen und wieder in den Ring zu bugsieren.

Ab und zu führt ein glückliches Stolpern sogar zu humorvollen Zusammenstößen, ohne die diese Show nicht wäre, was sie ist.

 
All dieses Zuschauen hat uns sehr hungrig gemacht und wir kaufen zwei kleine Lämmer, um damit unser Mittagessen ein bisschen aufzupäppeln. Der Verkäufer ist ein großer Farmer namens Arnold. Er ist sehr hilfsbereit und schenkt uns sogar noch ein paar Streichhölzer und einen großen Strauß von Rosmarin. Wir schieben die Tierchen hinten in unseren nagelneuen Geländewagen und stellen ihnen Tudor, unseren treuen Border Collie vor, dem dieser Teil des Autos gehört. Er treibt sie in eine Ecke des Wagens, legt sich hin und fixiert sie mit seinem Border-Collie-Blick, während wir unsere waghalsige Reise fortsetzen.

 Nach einer weiteren Meile begegnen wir schon wieder einer dieser engen Brücken. Sobald wir uns durchgekratzt haben, müssen wir scharf bremsen, denn die Straße wird von einer Kuhherde blockiert, deren Mitglieder so langsam euterschwingend dahinstolpern, dass es uns beim Zuschauen schwindlig wird. Eine der milchigen Monster entscheidet sich, die Herde zu verlassen und sich zwischen uns und der Hecke hindurch zu zwängen. Die dumme Kuh stolpert - absichtlich, nehme ich an - und ihr Riesenkopf fällt schwer auf den Kotflügel des Wagens. Sie hinterlässt einen Geruch von Magensäften und eine große Beule.

Da kann man halt nichts machen - ein ehrenhafter Schmiss!

 
Während die siegreiche Kuh weiter wandelt, beruhigen wir den Hund und fangen unsere Schafherde wieder ein, die die Aufregung genutzt hat, durchs Fenster zu entkommen. Bossie und Flossie scheinen ein sehr nervöses Mittagessen zu sein.

Einige hundert Meter weiter halten wir an, um die Kirche von Aghanloo zu bewundern, denn es ist ein Gebäude, das wunderschön in die Landschaft passt. Der hohe Berg Benevenagh ragt hinter dem Gemäuer auf.

"Das muss ich malen"

stöhnt Meg. Sie gräbt ihre Pinsel und Ölfarben von unterhalb Flossie aus, stellt die Staffel auf und beschäftigt sich für die nächsten fünf Minuten damit, verschiedene Farben auf der Leinwand zu befestigen.

Aghanloo Church  
Die Kirche von Aghanloo und Benevenagh.

 
Bossie glaubt, dass dies eine gute Gelegenheit ist, wieder zu entkommen, aber Tudor umzingelt sie und bringt sie zurück, so dass wir endlich in die Freehall Road einbiegen können, um unsere Reise fortzusetzen. Es ist eine schöne, baumbestandene Straße, die sanft den Berg hinaufführt. An beiden Seiten ist fruchtbares Ackerland. Wir hupen, als wir einem gemein aussehenden Mann in einem nagelneuen Traktor in den Weg kommen. Flossie und Bossie hinten im Jeep geraten wieder in Panik und Meg schreit:

"Pass auf die Schafe auf, du Hund. Bis du denn blind?"

Es ist wundersam, wie schuldbedrückt Tudor aussehen kann, aber er tut was Ihm befohlen wurde. Die Straße steigt den Berg hinauf bis wir in die Bishops Road abbiegen, wo ich abermals auf die Bremse steigen muss.

 
Mann, Schaf und Hund  
Die Scoop-Collie boys
Ein Hund und seine beiden Menschen treiben eine Herde Schafe zu neuen grünen Auen. Wir versuchen unschuldig auszusehen und tun so, als ob wir wirklich immer ganz langsam fahren.

Flossie wirkt wieder sehr animiert, als sie ihre Artgenossen sieht. Tudor wird von all den Schafen abgelenkt und Bossie - die das bemerkt hat - riskiert alles, entflieht wie der Blitz durchs Fenster und gesellt sich glückserregt ihren neuen Freunden zu.

Da kann man  nichts machen - dort rennt die Hälfte unseres Mittagessens!

 
Auf der nächsten Weide bemerken wir fünf frisch geschorene Schafe - haarlos wie der liebe lange Tag. So eine Chance können wir nicht vorübergehen lassen. Wir drehen das Fenster 'runter und schreien so laut wir können: "Glatzkopf!!!!!" - "Glatzkopf!!!!" - "Glatzkopf!!!!"

Die Schafe sehen sofort wunderbar verlegen aus. Einer der Hirten - der mit der kahlen Stirn - sieht uns ganz komisch an und wir fahren schnell weiter, ehe es hier schmerzlich wird.

Einige hundert Meter weiter oben halten wir an, zählen, was von unserer Schafherde übrig geblieben ist und bewundern die Aussicht.

Füng glatzige Schafe  
Glatzkopf, Glatzkopf und Glatzkopf - und Glatzkopf und Glatzkopf.

 
 
The Roe Valley  
Das Tal der Roe mit den Sperrins links und Lough Foyle zur Rechten.
 

Limavady liegt unter uns, die Sperrin Berge schmücken den Horizont und Lough Foyle - die Bucht der Foyle - kann man ganz rechts sehen. Es ist kein Wunder, dass ein großer Teil unseres Tales ein Naturschutzgebiet ist - so eine Aussicht gibt es in Irland nicht jeden Tag.

 
 
Zum nächsten gruseligen Teil

 


 

Flossie the lamb  
 
Weiterfahren