The Roe mouth in Winter
  Eine Autobummel durch
die Gegend

oder auch

Wie mag es Flossie wohl gehen?

 
Vierter Teil: Über den Teich zum Deich

       1. Teil: Wir fahren zum Benevenagh
2. Teil: Immer abwärts nach Downhill
3. Teil: Eine Fahrt zum Point
4. Teil: Starrt Ihnen in die Augen
5. Teil: Wie mag es Flossie wohl gehen?

 


 
 Die Fähre ist den größten Teil des Tages in Betrieb und legt ungefähr jede halbe Stunde entweder hier oder dort an. Sie ist seit ein paar Jahren in Betrieb und ist während dieser Zeit sehr nützlich gewesen. Ohne die Fähre hätten wir zum Beispiel einen Umweg von mindestens vierzig Meilen machen müssen, um wieder nach Limavady zu gelangen - und wenn man so ein Auto, wie es das unsere heute geworden ist, hat - kann eine kürzere Reisezeit lebensrettend sein!

Sobald wir das Hafenbecken verlassen, hören wir eine lautes Kratzen von unten.  Dies wird von einem ominösen Schütteln und feucht-gedämpften Flüchen begleitet. Es wird uns klar, dass die Unterwasserabteilung der Irischen Kriegsmarine nicht mehr so kampfbereit ist, wie es der Kapitän eigentlich hätte erwarten können, besonders wenn man all diese zeitraubenden Inspektionen in Betracht zieht.

Lough Foyle

  Blick über den Lough Foyle

 
Benevenagh von der Küstenstraße

Benevenagh von der Küstenstraße aus gesehen

Zwanzig Minuten später landen wir sicher am Pier des Magilligan Point. Einige der Passagiere berichten uns, dass sie die Blasenspur eines rachsüchtigen Torpedos gesehen hätten,  der aber dann plötzlich den Kurs wechselte, nachdem er von einem dunklen Stück Treibgut im Wasser abgelenkt wurde. Was für seltsame Geschichten diese Urlauber doch immer erzählen! 

Wir verlassen die  Fähre und werfen noch einen schnellen Blick auf den Martello Turm, der erst vor kurzem renoviert geworden ist. Wenn Sie dem früheren Link, der dieses gut erhaltene Gebäude beschreibt, nicht gefolgt sind, haben sie hier noch eine
zweite Chance, das zu tun.

Nach einem letzten Blick über die silbrige Weite des Lough Foyle fahren wir in Richtung Küstenstraße. Benevenagh - der Berg der diesen Teil des Tales so wunderbar dominiert - ragt vor uns auf.


 
Warum die 'Seeküstenstraße' nicht einfach 'Küstenstraße' genannt wird, ist ein mir nicht bekanntes Geheimnis. Aber ich habe es vielleicht schon erwähnt: Hier weiß man mit Wörtern umzugehen.

Es kommen einige verdächtig anzuhörende Geräusche von der Unterseite unseres Jeeps und wir haben das seltsame Gefühl, dass allerlei Stücke vom Auto abfallen. Wir fahren weiter!

Wir nehmen die Höhen- statt der Tiefstraße und machen einen kleinen Umweg, um auf der Drumcrun Road entlang fahren zu können. Sie klammert sich an die Vorhügel Benevenaghs und ist eine schöne altmodische Strasse mit wunderbaren Aussichten auf Magilligan und Bergen von Donegal.

Gerade kommen wir an unserer alten Freundin, der Leighery Road vorbei, die sich hier unten noch immer verbissen an das kostbare hintere 'E' klammert.

Duncrun Road

Duncrun Road

 
Tamlaghtard Church

Die Kirche von Tamlaghtard

"Keinen Sinn" rufe ich zum Fenster hinaus und deute mit  höhnenden Finger den Berg hinauf. "Quassel doch nicht so'n Quatsch" knurrt die Straße, als wir vorbei fahren.

Der erste historische Ort, den wir besuchen, ist die Kirche von Tamlaghtard, die den Lough überblickt und einen sehr interessanten kleinen Friedhof hat.

Hier sind Leute aus der Umgebung und auch aus der ganzen Welt begraben. Man muss zugegeben, dass die meisten der Fremden nicht freiwillig hierhin gekommen sind, sondern  Opfer von Schiffunglücken irgendwo an der rauen irischen Küste waren. Man hat sie dann hier notwendigerweise beigesetzt - aber es ist doch eine große Ehre sie alle hier so schön versammelt zu sehen.


 
Weiter an der Strasse entlang findet man die Kirche von St. Aiden mit ihrer weit bekannten Warzenquelle. Der Sage nach taucht man den Körperteil mit der Warze ins Wasser und knüpft dann ein Stückchen Tuch an einem Ast über dem heilenden Nass. So wie das Tuch mit der Zeit verwittert verschwindet die Warze - es könnte allerdings auch sein, dass die Viren vor Langeweile gestorben sind.

Wir tröpfeln ein wenig des heilenden Wassers über unser Auto in der Hoffnung, dass eine wundersame Reparatur sich offenbaren möge. Aber umsonst - diese Quelle heilt nur Warzen! Irgendwo oben am Berg ist ein alter Messestein zu finden, den die Leute früher, in intoleranten Zeiten, als Kirchenersatz benutzten, aber wir sind zu erschöpft, um da hinauf zu klettern.


Statt dessen erfreuen wir uns an der Aussicht und kommen
in der Nähe des Heygate Estate wieder zur Küstenstraße.  Hier nehmen wir die Scotchtown Straße, um uns den Minearnny Turm anzusehen, der hier seit ungefähr 150 Jahren steht. Er ist eine Erinnerung an die erste Vermessung Irlands, was natürlich anderswo beschrieben wird.

Der Minearny Turm

  Der Minearny trigonometrische Turm

Bald rumpeln wir über die neue Roe-Brücke und nehmen - nach einigen scharfen Kurven - die erste Straße rechts, um an der Carrowclare Road entland zum Seedeich zu fahren. Wir verlieren ein Argument mit einem unerwarteten Buckel in der Strasse und eines unserer Vorderräder fängt auf einmal an, auf amüsanter Weise zu eiern.

Bewicks swans in a field

Bewicks sw

Ein paar Meilen später halten wir wieder an, um uns eine Schaar von Bewick Schwänen anzusehen, die fleißig ein großes Feld bearbeiten. Diese gänsegroßen Vögel überwintern hier jedes Jahr und sie sollten eigentlich um diese Zeit schon in Sibirien sein, um dort den Sommer zu verbringen.  Wir haben sie hier extra für diese unwahrscheinliche Erzählung zurückgehalten und sie werden ihren verspäteten Wanderflug antreten, sobald diese Geschichte sie nicht mehr braucht.

Als wir zu unserem wackeligen Auto zurückkehren, sind zwei der Vögel, die sich  auf dem Auto niedergelassen hatten, gerade dabei, mit einem unserer Scheibenwischer im Schnabel abzufliegen.


 
Vielleicht glauben die Vögel, dass sie einen anderen Buick ruiniert haben!
Wir schütteln unsere weisen Häupter und fahren weiter. Was mag wohl noch geschehen? Glücklicherweise regnet es hier nie.

Wir erreichen den Deich nahe des Wracks eines alten amerikanischen Kampfflugzeuges, das hier kurz nach dem Krieg bruchgelandet ist. Die alte Corsair ist ein willkommener Anblick, denn es ist das einzige Objekt, das wir heute gesehen haben, das noch schlimmer aussieht als unser Auto.

Ich nehme an, dass der Pilot der alten Flugmaschine die Bruchlandung überlebt hat und hier im Lande blieb. Wahrscheinlich hat er ein Mädchen aus Limavady geheiratet und ihr Sohn ist jetzt ein sehr schlechter Segelflugzeug-Pilot.
Ein altes Flugzeugwrack.

Eine fehlgelandete Corsair

 
Der Seedeich

Der Seedeich

Wir fahren  an der Deichstrasse entlang. Auf der einen Seite ist ein tiefer Kanal, der die nahegelegenen Felder entwässert und auf der anderen Seite, hinter dem Deich  ist das Meer. Bald wird es Zeit, uns mal wieder auszuruhen. Wir parken unser protestierendes Gefährt auf einem kleinen Abhang und steigen aus, um Tudor einen verdienten Spaziergang zu gönnen. Als ich die Tür zuschlage,  löst sich unser wackeliges Vorderrad, rollt den Abhang hinunter und kreiselt in den tiefen Kanal, wo es ohne Spuren versinkt. Das wird ein langer Spaziergang nach Hause werden.


 Wir wandeln am Deich entlang, um uns zu beruhigen, den Hund zu entleeren und um den langen Heimmarsch zu planen. Dabei schauen wir uns die riesigen Äcker des vom Meere gewonnenen Landes genau an, um vielleicht eine Abkürzung nach Limavady zu finden. Aber vergebens, wir sehen nur Grass und unzählige Mengen von Vögeln, die hier füttern und brüten. Es gibt Fischreiher und Möwen, nach Sibirien fliegende Schwäne und verschiedene Arten von Gänsen und Enten.
 

 
 Über uns sehen wir eine verrückte Brandente, die sich sehr wundersam benimmt. Sie kreist und kreischt im Kreis umher, dann fliegt sie über das Meer - sehr tief und sehr schnell. Man kann fast die kreischenden Bremsen hören.

Meg schreit: "Duck Dich, es wird brenzlich".

Ich antworte: "Ich weiß - es ist eine Brand ......."

muss aber schnell gehorchen, denn das Tier will mir an den Kopf und möglicherweise auch an den Kragen. Glücklicherweise kann der Vogel nicht gut zielen. Er schießt an mir vorbei und fliegt über das Wasser hinaus, wo er Kreise über einem bekannt aussehenden Gegenstand zieht, der friedlich zum Land hin treibt.

Es ist unser Ersatzrad!


Eine kreisende Brandente.

Eine kreisende Brandente

 
Der treue Rostring muss uns in der Hoffnung, zu seinem Ursprungsort zurückzufinden, gefolgt sein. Ich wate hinaus  - versinke kurzzeitig bis über den Kopf im Wasser - und berge die willkommene Scheibe. Eine schnelle Untersuchung macht klar, dass das Rad zwar etwas feucht ist, dass man es aber trotz einer kleinen Torpedobeule  noch gut benutzen könnte.

Ich rufe der Ente ein frohes "Dankeschön" zu, befestige das Rad an unserem Auto und wir fahren weiter in Richtung Ballykelly, denn dort gibt es eine Autowerkstatt. Wir schaffen nur einige Meter, als über uns ein Mordslärm ausbricht:

"Wuup, wuup!" ... "Quack, quack" ... "Wuuuwuuuhuup" ... "Quaaaack" .... "Wuuuuiiiiii" ............

Thump!

Ein Metallgegenstand schlägt unsere Windschutzscheibe ein - gefolgt von ein paar weißen Federn. Die erzürnte Ente muss mit einem der Buick Vögeln zusammengestoßen sein.

Ich steige aus und rette unseren heißgeliebten Scheibenwischer. Er ist verbogen und zu nichts mehr nützlich. Macht nichts, die Scheibe, die er sauber halten soll, ist ja auch zerbrochen. Wir schmeißen das verbogen Zeug hinten ins Auto und fahren wieder weiter: Richtung Ballykelly.


 
  Das grand finale dieser seltsamen Geschichte


 

Flossie the lamb  
 
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