Eine Autobummel durch
die Gegend

oder auch

Wie mag es Flossie wohl gehen?
  
Fünfter Teil: Wie mag es Flossie wohl gehen?

      1. Teil: Wir fahren zum Benevenagh 
2. Teil: Abwärts nach Downhill
3. Teil: Wir fahren zum Point
4. Teil: Über den Teich zum Deich

Sonnenuntergang über Lough Foyle

 


 
Eine kleine Kirche

Eine sehr kleine Kirche

Wir klappern langsam den Deich entlang und biegen dann in die Lomand Road ab.

Irgendwo zu unserer Rechten ist Limavady Junction - ein trauriges Überbleibsel
der kurzen Eisenbahngeschichte Limavadys. Links und rechts erstrecken sich fruchtbare Felder und vor uns schaut die kleine Kirche von St John durch die Hecken.

Doch
ehe wir sie erreichen, biegen wir rechts in die Broighter Road ab. Broighter (ausgesprochen: Breuter), ist in der Gegend ein berühmter Name, denn hier fand man den fabelhafte Goldschatz, der den Namen dieses Stadtlandes trägt.

Das Broighter Gold ist eine einzigartige Sammlung von verschiedenen Goldgegenständen aus der Bronzezeit und wird natürlich
anderswo in diesen Seiten  sehr ausführlich behandelt.

 
Mitten im 'Land des Goldes' halten wir an, um unsere Schaufel und einen Metalldetektor in Ordnung zu bringen, welche so ganz aus Versehen hinten im Wagen zu finden waren. Sie sind ist das Einzige, das  Flossie nicht beknabbert hat, ehe sie beschlagnahmt wurde. Wenn es hier  in der Vergangenheit Gold gegeben hat, dann könnte es ja sein, dass davon auch noch etwas für uns übrig geblieben ist!

Die Goldsucht treibt uns auf einen Stoppelacker. In der Ferne sehen wir Lough Foyle - wie ein Silbersee. Der Detektor schlägt sofort an und strahlt nur so von Golderwartung, Hier muss es wirklich einen Schatz geben! Da der morsche Griff der Schaufel unter der ersten Last abbricht,  graben wir mit beiden Händen.
Plötzlich hören wir hinter uns ein seltsames Geräusch. Wir blickend uns um und sehen eine riesige Strohrolle, die mit hoher Geschwindigkeit die Strasse hinunter rollt.

Eine Unebenheit des Pflasters hebt sie in die Luft und dann prallt sie mit einem  noch zu bezahlenden  Geräusch vom Dach unseres Autos ab - genau  in unsere Richtung. Vor Erschrecken lassen wir den Metalldetektor fallen und ergreifen die Flucht. Gerade noch zur rechten Zeit, denn die 'Rolle aus dem Nichts' landet genau auf unserem Gerät. Die Elektronik gibt einen letzten klagenden Ton von sich und dann sind wir auf einmal wieder bettelarm.

Eine Strohrolle

Eine Strohrolle

 
Schatzjäger scheinen hier nicht willkommen zu sein. Wir geben die ungefundenen Reichtümer auf, quetschen uns in unseren auf einmal viel niedriger gewordenen Geländewagen und fahren weiter.

 
Sampson's Turm

Sampson's Turm

Der Motor gibt jetzt einige sehr ungewöhnliche Geräusche von sich, doch das macht uns nichts mehr  aus - es ist besser als überhaupt kein Geräusch. Eine alte Brücke führt über den Fluss Burnfoot und wir folgen nun der Farlow Road, denn wir wollen an Sampsons Turm vorbeifahren - auch ein Überbleibsel verrückter viktorianischer Baukunst.

Man hat den Turm an einen so heimlichen Ort gebaut, dass man ihn nur von sehr wenigen Stellen aus sehen kann. Er ist natürlich anderswo
ausführlich beschrieben worden, so dass wir also eigentlich gar nicht anhalten müssen. Deshalb fahren wir auch gleich weiter.

Bald sind wir auf der Limavady - Ballykelly Hauptstraße, gegenüber des Rough Forts. Dies stammt aus der Bronzezeit und hat
auch eine Seite ganz für sich. Wir fahren also wiedermal vorbei.

 
Normalerweise ist immer viel Verkehr auf dieser Strasse, doch heute scheinen alle zum Strand von Benone gefahren zu sein. Deswegen klappern wir wenig später durch Ballykelly, ohne dass die Polizei uns festnimmt und ohne einen weiteren Segen von der 'Göttin ereignisreicher Reisen', die uns ja heute den ganzen Tag lang so hold war.

Wir kommen an der ehemaligen Musterfarm und einem schrecklich aussehenden Brahthuhnkasten aus Kentucky vorbei, müssen den Wagen für die letzten hundert Meter schieben - und sind dann endlich in der großen Werkstatt. Dort
begrüßt man uns mit heißem Kaffee und neugierigen Blicken  - es ist ein zivilisierter Laden.

Der Manager überprüft unser Auto höchst persönlich und sein Gesicht hat einen eigenartigen Ausdruck als er fragt:

"Ist dies das gleiche Auto, das ich Ihnen vor sechs Monaten verkauft habe?"

 

Wir nicken wie die Wilden.

"Damals sah er aber aber viel neuer aus, nicht wahr?"

Ein weiteres Nicken, aber nicht ganz so enthusiastisch.

"Das wollte ich mir nur klar machen" sagt er und untersucht das, was von unseren Scheibenwischern übrig geblieben ist:

"Was war denn dieses Ding, als es noch was war?"

"Ein Scheibenwischer" antworte ich. "Zwei Vögel haben ihn gestohlen und dann auf unsere Windschutzscheibe geworfen".

Offensichtlich glaubt er mir nicht und kratzt seine Nase mit dem verbogenen Gerät. Er atmet tief ein und explodiert plötzlich mit einem heftigen Niesen. Zwei  Rache übende weiße Federchen flattern zu Boden.

Ein Seerad

Ein Seerad

 
"Wie kamen denn diese Löcher in die Seiten des Autos?" fragt er misstrauisch.

"Kinderleicht:  Ein kleines Lamm namens Flossie hat sie gebohrt."

Er schenkt mir einen altmodischen Blick und als seine strömenden Augen das verbeulte Vorderrad bemerken, fragt er verwundert:

"Und wie kam dies in einen so merkwürdigen Zustand?"

"Sie würden mir sowieso nicht glauben!"

"Versuchen Sie es doch!"

"Ein Torpedo-Blindgänger hat es getroffen".

"Das glaube ich nicht"

sagt er Manager und fährt mit einem humorvollen Lächeln fort:

"und das Dach wurde natürlich von einer wandernden Strohrolle zerquetscht!"

"Ja, aber erst nachdem das Segelflugzeug darauf landete!"

Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor in meinem Leben eine so seltsame Unterhaltung gehabt habe! Der Manager schweigt mit einem höflichen Lächeln, zieht seinen Rechner aus der Tasche und hämmert für eine paar Minuten wie wild auf der Tastatur herum.

"Es wird Wochen dauern diese Schäden zu reparieren - möglicherweise immer"

Dann untersucht er das verbogene Rad mit einem riesigen Vergrößerungsglas und fährt gedankenvoll fort:

"Ich gebe Ihnen einen Diskont, wenn Sie mir dieses Rad für meine Showroom-Sammlung geben".

'Da haben wir ja wieder mal Glück gehabt', denke ich mir, und fahre laut fort:

"Wird gemacht. Die Garantie begleicht den Rest?"

"Auf keinen Fall" antwortet er,

"man kann diese Schäden noch nicht einmal Abnutzung nennen - es ist mehr wie eine Totalausschlachtung! Wenn ich mich so recht besinne, könnte dieses Auto sogar ein .... ... ........ !!!"

 
Das Auto

Wir fahren nach Hause

Meg unterbricht schnell, ehe seine bilderreiche Sprache die Grenzen der Höflichkeit überschreitet:

"Können Sie uns wenigstens ein Auto leihen, so dass wir nach Hause kommen?"

Er sieht uns seltsam an und sagt: ."Ich habe nur noch dieses eine Fahrzeug übrig, bin mir aber nicht sicher ob es groß genug ist .........."

Bettler müssen mit allem zufrieden sein. "Spielt keine Rolle - wir nehmen es" sagt Meg. Stolz fährt sie uns mit dem neuen Gefährt nach Hause. Ich sitze hinten, denn vorne ist nur Platz für Damen.

Tudor muss mit dem Dach zufrieden sein.

 
Während Meg uns gen Sonnenuntergang fährt - der speziell für das Ende dieses unwahrscheinlichen Abenteuers bestellt wurde - flüstert sie nachdenklich:

"Wie mag es Flossie wohl gehen?"

 
Lough im Abendgelb

Der Sonnuntergang am Ende der Show


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Two Tudors